Poesie und Revolte

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Auf der Sonnenseite

Streiflicht auf einer weiss gestrichenen Raufasertapete

23:50 Es ist nicht gerade mein Thema. Und für meinen Hauttyp wird’s schnell brenzlig. Deshalb halte ich mich so gut wie möglich von ihr fern – dem „Glutmuckl“. Das es auch anders geht, beweist mir immer wieder eine Freundin. Die Auswahl an Mittelchen, die sie für das Sonnen hat, ob für davor, währenddessen oder danach, übersteigt meinen Fundus bei weiten. Aber nicht schwer. Weil ich gar nichts dergleichen habe. An meine Haut kommt eben nur Wasser und „ungebrochene Wellen“. Photonenwellen. Ich mag es eben pur. Und bin dabei lieber im Schatten. Ich ziehe die Parallele zu den Pflanzen: wäre der Mensch für Sonne gemacht, hätte man ihn grün gemacht. Für Photosynthese und so. Da fällt mir ein, ein Künstler der Renaissance, war’s Raffael, DaVinci, i don’t know, hat den Untergrund seiner Portraits, also den Hautbereich, grün gemalt. Das weiss ich von Wolfgang Beltrachi, dem Kunstfälscher, der aufgeflogen ist. Er hat alles bedacht, von künstlerischen Können, Nachweise für die Herkunft oder Methoden der Alterung. Es war nur Nachlässigkeit, dass er „Titanium White“ verwendete, weil er das andere Zeug, was es in dieser Zeit nur gab, einfach nicht da hatte. Dass mit dem Hautfarbtyp ist doch hoch interessant. Wieso ausgerechnet die Farbe Grün? Hat das was mit der Zeit zu tun? Waren die Leute damals noch mehr Veganer, also Pflanzen verbunden, als heute? Oder war es einfach nur der letzte Schrei, den Hauch von Grün zu erahnen? Sozusagen farbkomplementär zu der Zeit der 1970er, als fast alles orange war. Na gut, wir reden hier über die Renaissance, die Wiederanknüpfung an die Antike. Da wurde schon kräftig in der Schublade gekramt. Ich frage mich, ob man damals schon wusste, dass alle die berühmten Tempel nicht strahlend weiss aus Mamor waren, sondern ursprünglich bunt angemalt? Zum Glück kommt man heute vom Zwang Räume wie einen „klassischen“ Tempel immer nur „Titanium White“ zu streichen weg. Wer will schon das falsche Leben in der falsch gestrichenen Wohnung haben. Oder soll man froh sein, überhaupt eine Wohnung zu haben?

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