Poesie und Revolte

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Eine hormonische Beziehung


13:58 Eine Frage wirft sich mir auf: sind wir wirklich die, die alles lenken oder ist es nur ein Trugschluss, wir hätten die Kontrolle? Subjektiv ja, sonst würden wir es nicht immer behaupten oder es anstreben. Aber ein Beispiel. Nehmen wir mal an, wir wollen zu einer Gruppe gehören, weil wir eben soziale Wesen sind. Da passen wir uns schnell mal an, um dazuzugehören. Oder es ist ein Konflikt und wir sind Harmonie bedürftig. Schnell ordnet man sich ein, um erst garnicht erst abgewiesen zu werden. Ja, ja, „Harmonie ist eine Strategie“ höre ich da Tocotronic singen. Harmonisch. Oder doch besser auf metabolischer Ebene: „hormonisch“? Was wissen wir schon über die Bedürfnisse unserer Zellen? Dabei sollte man sie ernst nehmen. Eine Freundin sagt immer, dass will sie dies oder jenes garnicht aussprechen will, damit ihre Zellen es nicht mitbekommen. Hört da etwa jemand mit? Sind wir vielleicht viele? Also mehr als wir glauben zu wissen? Und die Frage, wer lenkt den Karren? Noch ein Exkurs. Unser Bewusstsein ist unserem Unterbewusstsein hart unterlegen, das weiss ich, wissenschaftlich belegt. An einer Strecke gemessen, ist das Bewusstsein 4 cm lang, das Unterbewusstsein dagegen schon mal 11 Kilometer! Wir würden also mit einem Mikroskop vorm Kopf geschnallt durch die Gegend laufen, wenn wir behaupten, alles sei so rational was wir entscheiden. Da fehlt doch der Überblick zum orientieren. Hopefully lost, sag ich da nur, wenn das so wäre.

Da ist es schon gut, dass jede Zelle für sich denkt und handelt. Gutes Thema. War nämlich die letzten Tage auf einem Seminar zu Kommunikation und Organisation von Gruppen. Da gab es ein umfangreiches Schaubild über die unterschiedlichen Organisationsformen von streng hierarchisch, Personen zentriert bis zur Aufgabenverteilung gleich einer Schwarmintelligenz. Mafiöse Strukturen sind zum Beispiel wie erstere aufgebaut. Moderene selbstorganisierte Firmen wie letztere. Wobei, und das fand ich auch interessant, wenn eine kapitalistisch getriebenes Unternehmen meint, um effizienter zu werden, solche Methoden einführen will, sie sich letztendlich selbst auflösen. Das Bessere ist des Guten Feind. Mit dem Spruch hat ein Freund immer seinen Vater zitiert. Wenn man das so sehen will, ja. Wenn man gefragt wird was willst du lieber, dass einer eventuell über dich bestimmt oder das man sich austauscht und alles offen ist, da sagt doch keiner ich gehe zurück ins Gefängnis. Na gut, die Zeiten sind schon wieder andere, wo man an der Menschheit zweifeln kann. Alles schon gehabt. Aber nichts gelernt.

Da gibt es ein schönes Experiment. Man nehme ein Haushaltstuch und durchlöchere dieses, damit die Finger auf der einen Seite durchpassen und auf der andern die Handfläche ist. Jetzt schaut es so aus, als dass die Finger allein sind und für sich stehen. Wie einzelne Figuren. Das ist das normale Bild, das wir von uns und den anderen haben. Aber eigentlich wissen es wir besser. Sollten es zumindest erahnen. Der Kopf, so toll und wunderbar er ist, weil hier angeblich all das Denken und Vorstellen passiert, sollten wir doch, wenn wir uns an dieses Experiment erinnern, nicht von unserem Körper trennen. Denn auch ein Knie kann denken, wenn ich nur an die Aussage von „den der nicht genannt werden darf“ denke. Ich werde erstmal den Vorhang beiseite schieben und Lüften. Die Vögel singen heute besonders schön.

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